Mit Leidenschaft für die Politik

17.10.2017

Mit 16 hat das Interesse an Politik begonnen, mit 21 ist daraus eine gewisse Leidenschaft geworden.

Der Riedericher engagiert sich nicht nur ehrenamtlich, sondern auch beruflich in der Union. Eines seiner Ziele ist es, mehr junge Menschen für bundes-, landes-, kreis- und auch weltpolitische Angelegenheiten zu gewinnen. Mit Politikverdrossenheit kann er wenig anfangen, ist doch das Diskutieren über Regierungen und deren Vertreter ein wichtiges Gut der Demokratie. Ganz ohne Politikstudium, aber durch eine ambitionierte Lehrerin, entschied er sich, einer Partei beizutreten.

 

Wie kam es eigentlich dazu, dass Sie CDU-Mitglied geworden sind? Wollten Sie schon immer in die Politik gehen?


Jan-Philipp Scheu (lacht) Nein, ich habe mir im Kindergarten nicht vorgenommen, einmal politisch aktiv zu werden. Das Ganze hat sich eher entwickelt. So war ich mit der Bildungspolitik der Grün-Roten Landesregierung in Baden-Württemberg nicht einverstanden und dachte, da muss man was ändern. Ausschlaggebend war zudem noch meine Lehrerin in Gemeinschaftskunde hier an der Metzinger Realschule. Sie war SPD-nahe und daher war ihr das Thema Politik wichtig. Wir haben viel diskutiert und dann hat sie gesagt ‚Mensch Kerle, schau dich mal um!’ Das habe ich dann auch getan. Nachdem ich die Programme der meisten Parteien gelesen habe, entschied ich mich für die Junge Union und später dann auch für die CDU. Ich bin eingetreten, um auch meinen Senf in Sachen Bildungspolitik dazugeben zu können. Zu meiner Lehrerin hatte ich auch nach dem Abschluss, bis zu ihrem Tod, immer noch einen guten Draht.

 

Warum haben Sie sich letztlich für die Union entschieden?


Zum einen, weil ich größtenteils hinter dem Programm stehe und zum anderen, wegen der Jungen Union. Die JU ist hier im Kreis der größte politische Verband, bei dem junge Menschen die Chance haben, sich einzubringen.

 

Wie haben Sie die Anfänge Ihrer politischen Laufbahn erlebt?


Es ging ja alles Ratzfatz. 2012 bin ich eingetreten und ein Jahr später war ich bereits Vorsitzender der Jungen Union im Ermstal und der Uracher Alb. In Riederich bin ich Vorsitzender des CDU-Ortsverbands. Wir sind hier leider nur knapp 20 Mitglieder, schaffen es aber trotzdem, tolle Veranstaltungen hinzubekommen. Beispielsweise war in diesem Jahr bereits die Ministerin für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau des Landes Baden-Württemberg, Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut, bei uns zu Gast. Im Kreisverband der JU in Reutlingen war ich bis 2016 für die Finanzen zuständig, dann bin ich zum stellvertretenden Vorsitzenden aufgerutscht. Außerdem bin ich Mitglied im Bezirksausschuss der JU Württemberg-Hohenzollern und Schriftführer im CDU-Kreisvorstand. Damit gehöre ich dem geschäftsführenden Vorstand an. Ich engagiere mich aber auch bei den Jungen Europäern im Kreis Reutlingen. Mir ist es sehr wichtig, für ein geeintes Europa zu kämpfen. Seit 2016 arbeite ich auch für den Bundestagsabgeordneten Michael Donth und habe so mein Hobby zum Beruf gemacht.

 

Die Frage hören Sie sicher häufig: Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?


Ja, das werde ich tatsächlich sehr häufig gefragt. Aber ich lebe Politik und kann gar nicht ohne sein. Es macht mir auch Spaß. In meiner Freizeit habe ich beim Tür-zu-Tür-Wahlkampf mitgemacht. Die Gespräche mit den Menschen taten gut, denn man hat auch positive Rückmeldungen bekommen.

 

Wie sind Sie Mitarbeiter bei Michael Donth geworden?


Ich wollte mich beruflich neu orientieren und fing an, mich nach Alternativen umzusehen. Im Mallorca-Urlaub, am Strand, habe ich einen Anruf von Michael Donth bekommen. Er hat mir einen Job angeboten. Allerdings musste ich mich innerhalb von drei Wochen entscheiden. Nachdem ich meiner Familie und meinen Freunden davon erzählt habe, haben mir alle geraten: Mach das! Ich habe die Entscheidung nicht bereut. Was auch daran liegt, dass ich Michael Donth sehr schätze. Er ist nicht nur mein Chef, sondern wir haben durchaus auch ein freundschaftliches Verhältnis.

 

Ob nun ehrenamtlich oder beruflich, haben Sie sich die Arbeit so vorgestellt?


Teils, teils. Den Ablauf der Arbeit im Abgeordnetenbüro habe ich mir vielleicht etwas anders vorgestellt. Beim Rest ist alles so gekommen, wie ich es dachte. Was besonders Freude macht, sind die Berlinfahrten. Da hat man die Chance, mit vielen Politikinteressierten ins Gespräch zu kommen. Zudem hab ich durch die Reisen in die Hauptstadt viele Kontakte knüpfen können. Interessant ist auch, wenn mich Menschen, die ich nicht kenne, ansprechen: ‚Sie sind doch der Mitarbeiter von Michael Donth’. Wichtig ist mir als Ehrenamtlicher, mehr junge Menschen für Politik zu begeistern, denn die JU ist und sollte der Stachel im Fleisch unserer CDU sein. Schließlich wollen wir auch unsere Themen einbringen.

 

Wo denken Sie, ist denn Handlungsbedarf?


Aus meiner Sicht sollten mehr Junge Führungspositionen einnehmen, zumindest auf Bundes­ebene. Zudem sollte wieder mehr inhaltlich gemacht werden. Verstehen Sie mich nicht falsch. Ich stehe hinter der Bundeskanzlerin und halte sie für die beste Wahl. Aber die Partei muss sich erneuern, inhaltlich und personell. In den kommenden vier Jahren hat man die Chance, jemanden aufzubauen, und die sollte genutzt werden. So kann man ein junges Gesicht der CDU schaffen. Hier in der Region hat dieser Wechsel bereits begonnen. Der Landeschef der Jungen Union, Nikolas Löbel, hört aufgrund seines Einzugs in den Deutschen Bundestag auf. Der Bezirksvorsitzende meines Bezirksverbandes Württemberg-Hohenzollern, Philipp Bürkle, sowie der Bezirksvorsitzende aus Nordwürttemberg, Dominik Martin, haben ihren Hut für dieses Amt in den Ring geworfen. Ich unterstütze ausdrücklich Philipp Bürkle in seiner Kandidatur, weil er mit seinen Themen die Junge Union Baden-Württemberg voranbringen will. Zudem ist er einer, der den Stachel der Jungen Union im Fleisch der CDU auch spüren lässt.

 

Wie sieht es denn mit Ihren politischen Zielen aus?


Ganz oft wird man gefragt, ob man nicht später ins Kanzleramt ziehen möchte. Für mich steht das nicht zur Debatte, auch wenn mich manche scherzhaft als nächsten Bundeskanzler bezeichnen. Hier in der Region und im Kreis Reutlingen möchte ich irgendwann schon höhere Ämter übernehmen. Zurzeit bin ich aber sehr zufrieden mit meinem Job im Wahlkreisbüro. Ich arbeite gern für einen Abgeordneten und möchte momentan selbst keiner sein. Allerdings könnte ich mir vorstellen, in naher Zukunft in Berlin zu arbeiten, als Mitarbeiter eines Abgeordneten. Mir machen die Arbeit und meine Ehrenämter schlichtweg Spaß.

Wenn man Berlin vor Augen hat, wie verbunden ist man dann noch mit der Heimat?
Ich werde Riederich immer verbunden bleiben, durch Familie und Freunde. Aber auch als CDU-Vorsitzender. Schließlich bin ich doch dort aufgewachsen.

 

Was sagen Sie zum Ergebnis der Bundestagswahl?


Ich war schockiert über das Abschneiden der AfD. Dass sie ins Parlament einziehen wird war vorherzusehen, dass sie aber so stark abschneiden wird, hätte ich nicht gedacht. Anfangs war ich skeptisch gegenüber einer Jamaika-Koalition. Eine Minderheitsregierung oder gar Neuwahlen wären aber falsch gewesen. Und letztlich hat der Wähler so entschieden. Mittlerweile sehe ich es aber als Chance und bin gespannt, auf das was kommt. Kritisch sehe ich indessen das Verhalten der SPD, die sich so verhält, als hätte sie in den vergangenen vier Jahren nicht in der Regierung mitgewirkt.

 

Thema Politikverdrossenheit, wie gehen Sie damit um?


Es macht mich wahnsinnig, wenn manche Menschen alle Politiker über einen Kamm scheren. Ich entgegne dann, dass ich für einen Abgeordneten arbeite, der einfach auf dem Boden geblieben ist, gern zu Terminen geht und der versucht, so oft wie möglich persönliche Gespräche zu führen.